Lisa Sabrier
und Carolyn Main
„Wool and the Gang“- Mitglieder stricken - und zwar aus Leidenschaft. Ihr Laden im New Yorker Stadtteil Soho verkauft neben Strickzeug, Wolle und Anleitungen auch fertig gestrickte Teile. Die Website der Gang hilft den Wollüstigen mit zauberhaften Videos, Merkzetteln und lustigen Fotos ihr eigenes, persönliches Kunstwerk zu stricken. In nur zwei Jahren wuchs die Gang mit jedem begeisterten Anhänger, von Teenies zu Grannies, von Hipsters zu Hippies. Zusammen feiern sie die Renaissance der Handarbeit. Gerade die Tatsache dass Handarbeit lange spießig und unsexy war, machten sich Sabrier und Main zu nutze und erklärten Stricken zum coolstetn Hobby überhaupt. Strickzeug ist seitdem das perfekte Accessoire, mit dem man sich als trendsicherer Avantgardist positionieren kann.
Gründerinnen von „Wool and the Gang“ machen Stricken wieder salonfähig. Ihre Mode ist eine Antwort auf die größte Sehnsucht unserer Gegenwart: Mehr Individualität.
Angesichts gleichgeschalteter Lebenswelten und austauschbarer Fußgängerzonen gibt es wieder ein Bedürfnis nach Einzigartigkeit. Im unüberschaubaren Angebot uniformer Massenware wird es immer schwieriger seinen eigenen Stil herauszufiltern. Zur globalen Trendsetter-Herde gehören kann jeder. Authentizität muss man sich jedoch erkämpfen. Menschen suchen wieder nach echten Werten. Und das Gefühl etwas wirklich Unverwechselbares zu besitzen.
Doch es geht um mehr als nur um einen Trend. Für die neue Bewegung aus Amerika, verspricht Stricken nicht nur Entspannung vom stressigen „Sex and the City“ - Alltag.
„Wool and the Gang“ bedeutet weniger Logos, keine Massenproduktion, mehr Herz und Einfallsreichtum.
Als erfolgreiches Model hatte die gebürtige Schweizerin Lisa Sabrier die Welt bereist, Modetrends kommen und gehen gesehen. Die Oberfläche kannte sie daher zu Genüge. Ihre Kinder jedoch sollten traditionelle Werte schätzen lernen, Familie und Geborgenheit. Sie sollten verstehen, dass es neben dem Spaß am Leben und all dem Rock n‘ roll wichtig ist, Wissen und Gewissen zu haben.
Stricken, ein Lebensgefühl? Ja klar! Oder wie Sabrier es charmant französisch ausdrückt: Stricken ist „savoir-faire“. Mais oui, Können. Und „savoir-vivre“ Lebensart. Stricken ist die Antwort auf eine der größten Sehnsüchte unserer Gegenwart: mehr Individualität.
LS — In unserem Umfeld gibt es so viele Eindrücke und doch soviel Einfalt. Insbesondere bei der Kleidung. Es geht doch meist um Prestige, Sachen mit „Bling-Bling“, die einen materiellen Wert vermitteln sollen. Bei selbst-gestrickter Kleidung geht es nicht um Materialismus sondern um Individualität. Heute trägt jeder den gleichen Einheits-Brei.
LISA SABRIER — Meine Gang ist wie meine Familie. „Wool and the Gang“ erzählt die Geschichte von dem Treffen vieler verschiedener Menschen, aus ganz unterschiedlichen Hintergründen und Kulturen, aber mit einem Ziel: Wahre Werte wieder entdecken.
Unser Laden in New York ist die Zentrale von „Wool and the Gang“. Wir können uns aufeinander verlassen, genau wie Verlass auf unser Material ist. Wolle hat einfach eine tolle Qualität. Der Erfolg gibt uns Recht. Obwohl unsere Idee eigentlich keine ökonomische war. Wir wollten in unserer oberflächlichen Welt etwas mit Wert schaffen.

A — Was hat unser heutiges modernes Leben mit der neuen Woll-Lust zu tun?
ABOUT — Was bedeutet „Wool and the Gang“ für Dich und wie ist die Idee geboren?
LS — Die Wolle, die wir verkaufen und für unsere Kollektionen benutzen, kommt ausschließlich aus dem Hochland der Anden in Peru. Dort in 3500 Meter Höhe leben die Alpaca-Schafe. Alpacawolle gehört zu den feinsten Wollarten der Welt. Sie ist weich und doch fest, und unglaublich wärmend. Wir haben sehr viel Energie darin gesteckt, die Menschen zu treffen, von denen wir die Wolle beziehen. Wir wollten dass die Herstellung
LS — Du kannst Dich beim Stricken einfach treiben lassen, auch mal was Verrücktes machen, unkonventionell sein. Und ich finde Strick sehr sexy, sehr sensibel und körperlich. Wolle ist einfach sexy!
A — Woher kommt Eure Wolle?
A — Was bedeutet Euer Slogan „Crazy, sexy, wool“?
ethisch ist und wir ein gutes Gewissen dabei haben. Stricken ist ein Teil der peruanischen Tradition. Alpacas gehören zum nationalen Erbgut Perus. Seit mehr als 3000 Jahren beherrschen die Peruaner die Kunst diese wunderbare Wolle zu verarbeiten.
A — Für Oma war es nur Handarbeit, für die Enkel ist es heute Punk. Wie erklärst Du Dir, dass junge Leute auf einmal mit Stricken anfangen?
LS — In unserer schnelllebigen Welt suchen junge Menschen nach echten Werten. Und dieses Gefühl haben sie buchstäblich aus Omas Kleiderschrank gekramt. Stricken ist wie ein schöner Brauch, ein Hobby mit Sinn und Tradition.
A — Hat „Wool and the Gang“ eine Zielgruppe?
LS — Nein, das denke ich nicht. Jeder kann Mitglied unserer Gang werden. Mütter, Jungs, Oma, Mädels, Manager. Es hat nichts mit Alter oder sozialem Hintergrund zu tun. Du kannst neun oder neunundneunzig sein, reich oder arm wie eine Kirchenmaus. Stricken kann uns alle verbinden. Das sehen wir auch in unseren Läden.
A — Wie ist Deine persönliche Strick-Geschichte?
LS — Die „Do-it-yourself“ Einstellung ist schon immer Teil meiner Familie gewesen. Ich habe Stricken ganz klassisch von meiner Oma gelernt. Ich glaube ich war erst vier Jahre alt.
A — Kannst Du Dich noch an Dein erstes selbst gestricktes Teil erinnern?
A — Man sagt, Stricken ist das neue Yoga. Was löst Handarbeit bei Menschen aus?
LS — Ja, natürlich! Es war ein Schal für meinen Bruder. Er sah fürchterlich aus. Schief und krumm. Aber ich war sehr stolz und hab ihm den Schal zu Weihnachten geschenkt. Natürlich musste er ihn sofort anziehen. Irgendwie ist es eine schöne Erinnerung, wie ein Souvenir.
LS — Es macht Dich wirklich süchtig, das kann ich dir sagen! Es ist beruhigend und wenn Du strickst, bleibt die Welt um Dich rum einen Moment lang stehen. Dein Atem wird entspannter. Beim Stricken geht es um ganz grundlegende Bedürfnisse. Es ist ein Moment um in sich zu gehen, um sich zu erinnern. Aber Stricken kann auch sehr gesellig sein. Du kannst dabei quatschen, Dich um Deine Kinder kümmern. Manche Leute schreiben uns, dass Stricken ihnen in einer schwierigen Lebensphase helfen konnte. Das macht mich glücklich.
A — Wie fühlt es sich an, ein selbst gestricktes Kunstwerk in den Händen zu halten?
LS — Oh, das ist ein wundervolles Gefühl. Du bist natürlich unglaublich stolz. Dann denkst Du über all die Mühe und Energie nach, die Du in Dein Werk gesteckt hast. Und jedes individuelle Stück wird symbolisch für eine Zeit, ein Gefühl und häufig für einen Menschen.
LS — Nein, das war sicherlich nicht geplant. Aber heute bin ich sehr stolz auf meine Rasselbande, meine private Gang. Mittlerweile können sie alle schon weitaus besser stricken als ich.
LS — Oh, da gibt es so vieles. Denn an einem Mann sieht Wolle besonders sexy aus. Zum Beispiel eine dicke Wollmütze. Schick! Unser Bestseller heißt „Snood Dog“ es sieht ein bisschen nach Rasta aus, sehr cool. Männer lieben es! Und natürlich ein kuscheliger Schal.
LS — Ganz einfach. In einer kalten Welt, hält Wolle Dich und die Menschen die Du liebst warm.
A — Wieso Wolle?
A — Was würdest Du Deinem Mann stricken?
A — Du bist Mutter von sechs Kindern. Wolltest Du immer eine Großfamilie haben?
SINA schierenberg
hatte mit Stricken nichts am Hut, bevor sie beschloss ein Gangmitglied zu werden.
Nicht mein Ding. Auch bin ich nicht sonderlich ehrgeizig. Möchte mir etwas nicht gleich gelingen, verliere ich die Lust. Nunja, hier sitze ich nun an unserem Küchentisch. Mein Plan klingt tollkühn: Ein Gang-Mitglied werden. Nicht von irgendeiner. Nein, von „Wool and the Gang“. Doch könnte ich schon an der ersten und einzigen Aufnahmeprüfung scheitern: Stricken. Jack Johnson singt leise von Banana Pancakes. Die wären mir jetzt auch lieber. Aber die Musik ist für die nötige mentale Ruhe. Zur Feier des Tages, habe ich die Finger meiner linken Hand rot und die der Rechten pink lackiert. Meiner eigenen Logik nach, halten mich die grellen Farben wach und ich komme nicht mit den Richtungen in den Tüdel. Play. Das Video fängt an.
Eine Schleife binden, die Nadel gleitet hinein, Garn um die andere Nadel wickeln, zuziehen. Ganz schön mühsam, ein Gang-Mitglied zu werden. Doch nach kurzer Zeit bin ich versunken in meine Arbeit. Zwei rechts, zwei links…
Fotos: Martin Bruno, Antoine Ricardou, Wool and the Gang, Privat
Text: Sina Schierenberg
Mit besonderen Dank an Lili Bonnet
Zwei zierliche Hände halten die überdimensional großen Nadeln. Eine zuckersüße Stimme erklärt mir ruhig die ersten Schritte. Die Hände machen es vor.
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