adriano sack
Sie posen im Lieblingsoutfit auf dem Himmelbett, setzen sich vor der getäfelten Schrankwand in Szene oder präsentieren im Hausflur ihren Jogging-Anzug. Nach dem Motto
„Sehen und gesehen werden” finden bei I Like My Style Menschen zusammen, die sich in ihrem Lieblings-Outfit mehr oder weniger gekonnt in Szene setzen. Hier ist Mode, was Mode sein sollte: Ein fast schon intimes Statement und ganz nebenbei Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Hier geht’s nicht um Trends, sondern um Style.
Aiko aus Kalifornien präsentiert ihren Hippie-Look, Luica aus DTown zeigt sein neues Shopping Outfit, Joko aus Berlin lebt seinen Streifen-Fetisch aus. Bei I Like My Style finden Modebegeisterte aus der ganzen Welt zusammen – und sind erstaunlich nett zu einander. Häme sucht man bei I Like My Style vergeblich, denn die Modepolizei ist bisher nicht aufgekreuzt. Statt überproduzierten Hochglanz-Fotos begegnen uns authentische, oft leicht verwackelte Einblicke in private Mode-Welten.


TEXT: RENE SPRINGER
war Redakteur bei Tempo, Spiegel, der Welt am Sonntag und Chefredakteur von Quest.
Im Moment arbeitet Adriano als Autor an einer Magazin-Ausgabe von I Iike My Style.
ABOUT — Mal ehrlich Adriano: Kann man „Style”, also klassisch Stil, lernen –oder hat man ihn einfach?
Für About erklärt Adriano, warum sich seine Idee im Web zum Selbstgänger entwickelt hat.
Qvest Chefredakteur Adriano Sack, 41, hat das „soziale Netzwerk für Modebegeisterte” Anfang 2008 ins Netz gestellt und offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. 300.000 Besucher lassen sich hier Monat für Monat inspirieren.

ADRIANO SACK — Mit Stil ist es, wie mit Snowboarden, Schreiben und Sex: Es gibt Ausnahmebegabtheit, aber ein ordentliches Können ist mit Fleiß und Hingabe erlernbar. Das angeborene Stilempfinden halte ich für einen Mythos. Menschen, die sich scheinbar traumwandlerisch richtig kleiden, haben vielleicht einfach früher damit angefangen. Oder sind im richtigen Elternhaus aufgewachsen. In jedem Fall ist ständiges Training wichtig: Auch Augen können erschlaffen und Stil ist nicht festgeschrieben, sondern dynamisch.
A — Wie bist Du auf die Idee gekommen „I Like My Style“ ins Netz zu stellen?
AS — Ich hatte das Gefühl, dass das Internet sich zum größten Laufsteg der Welt entwickelt. Da schien ein Social Network für Modeverrückte irgendwie nahe liegend.
A — Hast Du eine psychologische Erklärung dafür, dass „I Like My Style“ und ähnliche Seiten so beliebt sind? Warum haben so viele Menschen großen Spaß daran, ihre Persönlichkeit und ihren Style im Netz zu präsentieren?
AS — Ein Mädchen auf unserer Seite trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „I am popular“. Das ist eine charmante Frechheit und drückt zugleich einen uralten Menschheitstraum aus. Das Bedürfnis nach Wahrnehmung und Anerkennung ist nicht neu, aber die Bühne hat sich geändert und der Zugang ist leichter geworden und geändert hat sich natürlich auch unser Verständnis von Privatheit.
„Zunächst besticht der wegretuschierte Bauchnabel, ein ebenso simpler wie eindeutiger Hinweis auf Entfremdung. Einen Astronautenhelm nach einem Plattencover zu basteln, ist eben so hellsichtig wie nostalgisch. Koeque scheint zu jener Spezies zu gehören, die Thurston Moore von Sonic Youth, in einem Vortrag über David Bowie, die „bedroom aliens“ nannte.“
ADRIANO ÜBER
KOQUE AUS INNSBRUCK
„Ein sichtlich zufriedener Mann mit Bart in einem Prunkbett des Hotel Negresco in Nizza. Da stimmt eigentlich alles. Das sanft einströmende Licht der Cote d’Azur, die rosa Tapete und die Engel auf den Bettpfosten. So sieht das Paradies aus, wie es sich Elton John vorstellt.“
ADRIANO ÜBER
CN1 AUS NEW YORK
„Ich mag, was sie trägt und ihre Vivienne Westwood Tasche scheint ihr wirklich wichtig zu sein. Aber noch wichtiger ist die Körperhaltung. Sie ist in sich, oder den Kopfhörer versunken, ignoriert die Kamera und stellt sich zugleich frontal davor. So wie Miles Davis gern mit dem Rücken zum Publikum spielte.“
ADRIANO ÜBER
SUSIE BUBBLE AUS LONDON
„Die beiden Jungs sind gut angeschnitten und sehen auf sehr unterschiedliche Art perfekt aus. Die Sängerin, denn was könnten die drei anderes sein als eine Band, trägt auf ihrem T-Shirt die wichtigste Frage spazieren. Außerdem schaut sie so melancholisch. Und ein bisschen wütend.“
ADRIANO ÜBER
250301 AUS WIEN YORK
„Hier bin ich befangen. MKNYC ist ein sehr geschätzter Bekannter und die Fendi-Pelze hat er von dem Künstler Terence Koh ausgeliehen, den ich verehre. Ich würde diesen Look noch nicht einmal dekadent nennen, einfach nur im besten Sinne grenzenlos.
ADRIANO ÜBER
MKNYC AUS NEW YORK
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