TEXT: NADINE MASLONKA / FOTO: K.P.
ABOUT — Biowurst, Öko-Klamotten und jetzt auch noch politisch kor-
rekter Safer-Sex. Ist das wieder mal so ein Zeitgeist-Thema?
OLIVER GOTHE — Würdest Du ein Kondom benutzen, bei dem Du weißt, dass Kinder das Latex in einer 12 Stunden Schicht für ein Gehalt von $2,50 abgezapft haben?
A — Okay, Punkt für Dich. Trotzdem, Du bist Unternehmer. Also, was treibt Dich an?
OG — Ich finde es sinnvoll, wenn man durch seine Arbeit einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel herbeiführt. Gerade in unserer heutigen Zeit ist es wichtig, gesellschaftlich relevante Werte und Verhaltensweisen positiv zu beeinflussen und sich aktiv einzumischen.
OLIVER GOTHE
gründete mit 18 Jahren
das erste Fachgeschäft für Erek-
tionsbekleidung „Condomi“ und
leitet nun von Köln aus das
Unternehmen „lebenslust“
Der Kölner sorgte jahrelang als Kondom-König für Spitzen-Umsätze und machte Schlagzeilen in den Wirtschaftsmagazinen. Seine Firma „Condomi“ brach zwar in den 90ern alle Verkaufsrekorde, ging aber 2004 durch Managementfehler pleite. Gothe verkaufte seine Anteile gerade noch rechtzeitig und macht heute in politisch korrekte „Errektionsbekleidung“. Sein Nachfolge-Unternehmen „lebenslust“, produziert Öko-Gummis aus Kautschuk, der fair angebaut und geerntet wird. Gothe schafft Arbeitsplätze in Indien und garantiert Produkte, die ohne Kinderarbeit entstanden sind. Weil ihre Eltern für Gothe arbeiten, können indische Kinder zur Schule gehen. „Es geht nicht um ein paar Fass Latex, weltweit werden jährlich mehr als 15 Milliarden Kondome verbraucht.“, stellt Gothe klar. Ein Gespräch über politisch korrekten Sex, gezielte Provokation und Kondome für Kinder.
A — Political Correctness und Safer Sex – Warum gab es diese Symbiose nicht bei „Condomi“?
OG — Viele Bezugsquellen sind erst heute transparent geworden und haben unser Bewusstsein geschärft. In meinem ersten Leben als Kondomhersteller habe ich jahrelang Latex von einer afrikanischen Plantage eingesetzt, deren Arbeitsbedingungen nachweislich „unfair“ waren. Hätte ich es damals ge- wusst, so hätte ich bestimmt wo anderswo eingekauft. Heute prüfen wir die Abbaubedingungen und fragen uns, inwieweit wir mit dem Produkt klima-neutral werden können.
A — „lebenslust“ ist der erste Anbieter von Kondomen und Sex-Spielzeugen, der über ein TÜV-Siegel auf den Produkten verfügt. Wieso kommt diese Qualitätskontrolle erst jetzt? Schließlich wird in Deutschland fast jedes Pro- dukt auf Herz und Nieren geprüft.
OG — Es gibt unterschiedliche rechtliche Auffassungen, wie Sexspielzeuge klassifiziert werden. Man kann in jedem Fall sagen, dass sie als Bedarfs-gegenstände natürlich die Gesundheit des Nutzers nicht angreifen dürfen. Viele in China hergestellte und in Deutschland vertriebene Sexspielzeuge tun dies aber durch ihre chemischen Verbindungen. Diese Teile gehören mit Sicherheit nicht in Körperöffnungen. Das haben auch die Verbraucher erkannt. Wir wollten durch ein TÜV-Zeichen einer möglichen Verunsiche- rung begegnen. Unsere Produkte sind garantiert Schadstofffrei, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.
A — Spaß haben und dabei Gutes tun – wie wird euer Produkt bis jetzt ange- nommen?
A — Nach Deiner Gründerrolle bei „Condomi“ nun die Firma „lebenslust“. Deren Motto: „Kondome für Kinder“ – klingt ja eigentlich erstmal widersprüch- lich?
OG — Der Titel unserer Presseaktion „Kondome für Kinder“ ist natürlich be- wusst etwas provokant formuliert, denn wir wollten Aufmerksamkeit erregen. Tatsächlich ist es ja so, dass der Kauf der Lümmeltüten bedeutet, dass man aktiv etwas gegen Kinderarbeit und damit für Kinder tut.
OG — Dort wo unsere Produkte gelistet sind, finden sich mehr und mehr Kunden. Natürlich dauert es eine Weile, bis man die Verbraucher/innen davon überzeugt hat, auch mal unsere Produkte zu probieren. Da unsere Ziele aber langfristig sind, entwickeln wir uns Schritt für Schritt. Gerade durch „Condomi“ habe ich gelernt, dass halbe Geschwindigkeit manchmal sehr viel gesünder sein kann.
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