Mit einer großartigen Stimme ausgestattet und dem Charme eines Menschen, der gerade erkennt, dass Ich etwas anderes ist als Hochglanzbilder von sich in den Händen anderer, hat sie sich für sich selbst entschieden. Wir dagegen haben uns dazu entschlossen, ihren Weg zu mitzugehen und einen jungen Musiker zu finden, der mit ihr die musikalische Selbstfindung wagt. Ohne Starbedürfnis.
Unter dem Bahndamm hindurch, vorbei an Laub und verrosteten Stahltüren, links die Bahngleise, rechts schmucklose Klinkerbauten, liegt Michael Jörgensens Gitar-
renschule. Alle zehn Minuten rattert eine U-Bahn vorbei und erinnert daran, dass die Welt draußen weiter läuft. Denn: Einmal drinnen angekommen, ist sie wie ausgesperrt. Ein gemütlicher Kamin, schummeriges Licht, antike Werkstatt-Lampen, allerlei Equipment. Verstärker, Gitarren, Kabel und ein Hund. Der perfekte Ort, um runterzukommen. Um sich auf die Musik zu konzentrieren. Und der perfekte Ort für uns, Anna-Maria a.k.a Annria zu treffen.
Annrias Vater ist mitgekommen und hat ein wachsames Auge auf alles. Unterbricht unser Gespräch, beschwichtigt, sorgt dafür, dass seine Tochter nicht das – in seinen Augen – Falsche sagt. Doch man spürt, sie würde gerne. Als Radio Hamburg Mega-Talent 2009 und wochenlanger Gast in den Top 20 des gleichen Senders könnte sie den Sprung schaffen. Fürwahr. Doch mehr als eine gute Stimme und angehende Modelkarriere hat sie nicht zu bieten. Sie spielt weder Gitarre, noch schreibt sie eigene Texte oder Songs. Doch sie würde gerne. „Produziert werden langweilt“, gesteht sie. Einfach nur heruntersingen fremder Texte im Studio, davon hat sie genug. Zum Leidwesen ihres Vaters – der ergänzt beschwichtigend, es bringe doch eben auch viel und es seien tolle Produzenten gewesen... Sein ganz eigener Plan für die Tochter: der Japanreimport. Erst in Japan Erfolge feiern – mit ihrer Stimme, Statur und Erscheinung wahrscheinlich auch machbar.
Die letzten Jahre haben die totale Demokratisierung und Banalisierung des Ruhmes und Erfolges mit sich gebracht. Im Zweifel ist das einzige Talent, das man mitbrin-
gen muss, die totale Enthemmung und fremdschamfreie Selbstdarstellerei. Und
dass Anna-Maria sich dagegen stemmt, merkt man mehr und mehr, je länger wir
reden. Sie möchte es selber schaffen, aus eigener Kraft. Weil sie es kann. Zum Glück
gibt es Vorbilder, denen die Musik wichtiger war und ist.
Wichtiger als ein verzweifelter „Out Now“-Spot auf RTL oder PRO7, Autogramm-stunden im Media Markt oder die Aftershow-Party bei DSDS. Denn das ist die
Hölle. Der Bankrott des Individuums. Der Tod der Einzigartigkeit.
– und dann zurück nach Deutschland, die Charts erobern. Doch zu Recht schwingt in ihren Antworten unausgesprochen die Frage mit „Aber was hat das eigentlich alles mit mir selbst zu tun?“. Galt früher, „du bist was du hast!“, gilt heute, „du bist was du mitzuteilen hast.“ – Du bist die Sendung, die Welt der Empfänger!
Dank Vernetzung, Onlineplattformen und entsprechenden TV-Formaten ist das auch für jeden erreichbar.
Selbst One Hit Wonder wie die Österreicher „Opus“ mit „Live is life“ oder Zager & Evans mit „In The Year 2525“ schrieben und spielten ihre Songs selber. Oder Michael Sembello. Er arbeitete als Studio-Gitarrist u.a. für Stevie Wonder, The Temptations und Michael Jackson. Und landete mit „Maniac“ nur einen echten Hit! Sie alle wussten, was sie tun. Sie machten Musik und wussten, wie man Musik macht.
Schließlich ist die Ware Größe austauschbar. Wahre Größe dagegen kommt aus sich selbst heraus und entspringt der eigenen Persönlichkeit und dem eigenen Können. In diesem Sinne haben einige lange kämpfen müssen, haben sich tapfer durchgebis-
sen aber wurden letztendlich belohnt. Für Können und Einzigartigkeit. Nicht fürs Marketing. Lady Gaga zum Beispiel oder Holly Miranda.   
Also bewerbt euch! Wir sind dabei. Und solltet ihr in den nächsten Monaten und Jahren auf irgen-
deinem Singer-Songwriter-Contest mit euren eigenen Stücken auftreten, wir werden berichten.
Noch einmal, Guitar Heros, bewerbt euch! Hier
bei uns. Mit Demo und Bild. Und wenn die
Chemie stimmt, bist du bald mitten drin im
Anfang. Von allem, was ihr wollt. Niemand sonst.
Anna-Maria hat ihre Stimme, ihren Willen und die Einsicht, dass Erfolg eine Tüte ist, die einem entweder über den Kopf gestülpt wird, so dass man langsam erstickt. Oder die man selber in der Hand hält und trägt. Wohin auch immer. Für diesen Weg sucht sie Musiker zum Jammen, Musik machen, Songs schreiben; schlicht um die eigenen Talente auszuprobieren. Und wir suchen mit. Denn es hat uns ehrlich überrascht, jemanden zu treffen, der die Karriere wegpackt, um sich erst einmal selbst auszuprobieren.

Redaktion und Text: Jan Knopp, foto: birgit klemt

haare/ make-up: anja fichtenmayer/ close up

collage: jasmin wagner

Kamera und Schnitt: Christian Suhr

Musik: Madeleine & Thomas Hettwer
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