Der König der Haptik
Das stimmt schon auch, vor allem in Königs Branche, denn er hat eine Material- und Produktionsagentur, die sich auf besondere Papiere und aufwändige Druckveredelungen spezialisiert hat. Man könnte auch sagen: auf besondere Oberflächen. Aber Haptik bedeutet eben noch viel mehr, nicht nur das Fühlen und Ertasten von Oberflächenreizen, sondern auch das Drücken, Umfassen und das Nachfahren von Konturen. Mit dem Tastsinn lassen sich Oberflächenstrukturen, aber auch die äußere, dreidimensionale Form eines Gegenstands wahrnehmen, sein Gewicht, seine Härte und Temperatur. Anders als die anderen Sinne, etwa die Distanzsinne Sehen und Hören, ist der Tastsinn ein reflexiver Sinn. Wenn man etwas berührt, spürt man immer auch sich selbst. Und es ist eine aktive, körperliche Erfahrung: Man muss schon zugreifen und über die Haut einer frisch aus der Schale gesprungenen Kastanie streichen, um das Dralle, Spiegelblanke der Frucht zu spüren. Wie überhaupt der Tastsinnnoch wenig erforscht ist.
Alfred König Die körperliche Sensorik steht im Zentrum. Der Inhaber der Kommunikations- und Produktionsagentur König Konzept ist auch Pädagoge für psychosomatische Gesundheitsbildung, Yogalehrer & Gesundheitscoach.
Website König Konzept
Website Körper Dialog
Seit Jahren arbeitet der 52-Jährige daran, das zu ändern, nächstes Jahr möchte er auch ein Buch dazu herausbringen. „Für mich ist Haptik eine sehr reale Kommunikation, im Gegensatz zu vielen anderen Formen, die eher Kommunikationsersatz oder sogar Kommunikationsvermeidung sind“, sagt er – und plädiert dafür, Haptik als etwas Ganzheitliches zu begreifen, als eine Erfahrung, die man nicht nur mit den Fingern macht, mit seinem Fingerspitzengefühl, sondern mit dem ganzen Körper. „Es geht dabei nicht nur um die Frage: Wie fühlt sich das an? Sondern auch: Was löst das aus?“

König selbst sagt von sich: „Ich bin kein visueller Typ, ich bin haptisch veranlagt. Wenn ich etwas sehe, weiß ich sehr genau, wie es sich anfühlt.“ Man spricht auch vom „Tastsinn“ der Augen, weil der Sehsinn dazu neigt, alle anderen Sinneserlebnisse zu überlagern. Wohingegen das Tasten eher unbewusst geschieht, mehr auf einer gefühlsmäßigen Ebene. Es verstärkt die emotionale Bindung zwischen Mensch und Ding. Kinder haben Kuscheltiere, für Erwachsene gibt es Handschmeichler, Dinge, die man gerne in der Hand hat – aber das wahre Potential, das hinter dieser Beobachtung steckt, haben die meisten Designer und Unternehmen noch gar nicht erkannt.
Was liegt da näher, als eine neue Dimension in das Corporate Design einzuführen, eine, die überrascht und emotional berührt? Mit haptischen Reizen lassen sich Kunden und Konsumenten leicht animieren. Doch es genügt nicht, sie als bloßen Effekt einzusetzen. Als Ziel nennt König eine „Corporate Haptik“, in der es darum geht, Kommunikationsbotschaften ins Haptische zu übersetzen. Genauer gesagt darum herauszufinden, welche haptischen Eigenschaften ein Produkt haben muss, damit es die Werte eines Unternehmens repräsentiert und gleichermaßen die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Zielgruppe erfüllt. Am besten arbeitet man dabei mit Kontrasten, sagt König. Etwas Weiches und Warmes zum Beispiel ruft eine positive haptische Urerfahrung wach, etwas Hartes, Spitzes, Kaltes dagegen schreckt womöglich ab. Als König einmal den ausgefallenen Auftrag bekam, die Geschäftsausstattung für eine Inkasso-Firma zu entwickeln, tat er alles dafür, ihren Auftritt möglichst aggressiv und abstoßend wirken zu lassen: Das Briefpapier fühlt sich unangenehm steif und laut an und ist genau an der Stelle mit einem kratzigen Strukturlack veredelt, wo man den Brief anfasst. Auch ein solches Negativ-Beispiel zeigt, worauf es bei der Verwendung von haptischen Reizen ankommt. Die Erwartungshaltung, die der Empfänger an diesen Brief hat, kann man entweder erfüllen oder irritieren – und so eine einschneidende körperliche Erfahrung auslösen.
Als König einmal den ausgefallenen Auftrag bekam, die Geschäftsausstattung für eine Inkasso-Firma zu entwickeln, tat er alles dafür, ihren Auftritt möglichst aggressiv und abstoßend wirken zu lassen:

Das Briefpapier fühlt sich unangenehm steif
und laut an und ist genau an der Stelle mit einem kratzigen Strukturlack veredelt, wo man den Brief anfasst.


Auch ein solches Negativ-Beispiel zeigt, worauf es bei der Verwendung von haptischen Reizen ankommt. Die Erwartungshaltung, die der Empfänger an diesen Brief hat, kann man entweder erfüllen oder irritieren – und so eine einschneidende körperliche Erfahrung auslösen.
So heißt das Basisseminar von Alfred König zum Thema haptische Kommunikation, in dem Sie unter anderem erfahren, wie Sie haptische Profile erstellen, damit zur unverwechselbaren Firmenhaptik gelangen, in letzter Konsequenz zu Corporate Haptics.

Zu dem Seminaren
Wir können nicht davon lassen, weil sie unseren Spieltrieb aktivieren, sie machen süchtig. Ihre magische Anziehungskraft beruht auf der Illusion, dass wir das Geschehen auf dem Bildschirm direkt mit unseren Fingern steuern können – nicht nur indirekt über Tasten, Knöpfe oder eine Maus, was sich verglichen damit so anfühlt, als würden wir mit einem langen Stock hantieren. Und doch sind die heute üblichen Fingerbewegungen, das Tippen, Wischen und das Auseinanderschieben mit Daumen und Zeigefinger, erst der Anfang, vielleicht sollte man besser noch von Gesten sprechen. In Zukunft werden die Glasoberflächen der Bildschirme auf unsere Berührungen reagieren und selbst haptische Sinneserlebnisse ermöglichen. Es gibt bereits Mobiltelefone, deren Touchscreens haptische Rückmeldungen geben: Sie vibrieren, sobald man das Display mit dem Finger berührt, und sie können den analogen Tastendruck imitieren. Noch weiter geht die Entwicklung des finnischen Unternehmens Senseg, das gerade daran arbeitet, unterschiedliche Oberflächenstrukturen zu simulieren: Eine Spezialfolie erzeugt ein elektrostatisches Feld, durch das sich der Bildschirm anfühlt wie die raue Oberfläche eines Steins, wie weicher Stoff oder wellig. Die nächste iPad-Generation wird darauf nicht verzichten können!
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