INTERVIEW: TRINE SKRAASTAD
Mich persönlich berührt die junge Schweizer Fotografin Ornella Cacace.
Mit ihrer Fotografie, die meist alltägliche Szenen darstellt, schafft sie es mit ihrer sehr persönlichen Sichtweise, den Betrachter in ihre wundersame, romantische, jedoch auch sehr direkte Welt einzuschließen. Ihre Bilder sind ganz und gar nicht arrangiert oder gar technisch hochstilisiert, sondern einfach nur der pure Moment. Mit ihrem Blick gesehen und eingefangen.
NADJA PUTZI
Lebt und arbeitet in Zürich.
Verheiratet mit dem Wiener Fotografen Raphael Just. Fotoproduktion, Location, Casting. Produziert für Magazine, Werbung und Modekunden, u.a. Achtung Magazin für Mode, Monocle.
ANNA COLBY
Lebt und arbeitet in Zürich
als Artbuyerin bei Euro RSCG.

ADRIAN SONDEREGGER UND JOJAKIM CORTIS

Darf ich vorstellen,
Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis, das spitzen Kreativ-Duo aus Zürich! Ich mag ihre Arbeiten sehr, denn sie schaffen es immer wieder die von ihnen fotografierten Orte aus ihrer realen Umgebung herauszulösen und sie an einem neuen zeitlosen Ort zu platzieren. Der Ort hat keinen wirklichen Zusammenhang mehr zu seinem Herkunftsort, sondern wird vielmehr zum Objekt an sich, zur Schaubühne und man selbst als Betrachter befindet sich in wunderbarer, ungewohnter Nähe dazu. 
Ich glaube unter anderem fest an Diane Vincent aus Berlin. Sie berührt mich immer wieder mit ihren sensiblen und sehr intimen Menschenbildern. Und sie löst bei mir mit ihren Aufnahmen eine Sehnsucht aus. Eine Sehnsucht nach Freiheit und Lebensglück.
Lebt und arbeitet
in Hamburg und Berlin.
Typograf, freier Kreativ-
Direktor und Fotobuch-
Verleger seltmann+söhne.
Herausgeber der Alben,
ADC-Mitglied Fotojury.
OLIVER SELTMANN
DOMINIK GIGLER
Stephen Gill ist Engländer, und nicht nur das, nein, er foto-
grafierte auch hauptsächlich in einem kleinen Fleckchen London, in dem ich selbst die letzten zwei Jahre meines Le-
bens verbracht habe – vor dem Umzug nach München im Mai diesen Jahres.
Ich spreche von Hackney Wick, eingepfercht zwischen dem neu entstehenden Olympiagelände und dem Victoria Park. Hackney Wick war lange sozialer Brennpunkt, inzwischen ist es das, was man als trendy bezeichnet. Aber das inte-
ressiert Stephen Gill nicht. Er arbeitet konzeptionell, aber ohne aufgesetzt zu wirken. Er findet eine alte Kamera auf dem Flohmarkt in Hackney Wick und fängt an, diesen zu knipsen. Er vergräbt seine Fotos und buddelt sie Jahre später wieder aus, er fotografiert Billboards von hinten
und begleitet Straßenarbeiter in Leuchtkleidung. Seine
Arbeiten sind unprätentiös und doch mit viel Leidenschaft bestückt und er beschreibt fotografisch das Gefühl von
Zugehörigkeit, genau deswegen halte ich ihn für einen
der bedeutenden Fotografen unserer Zeit.
Lebt und arbeitet in München.
Freischaffender Fotograf,
1995 -2009 in London,
seit 2009 zurück in München.
Postproducer in Paris
CHRISTOPHE HUET
Ich werde mich vornehmlich auf den Werbefotografen be-
ziehen, denn dieser ist mir am meisten vertraut. Es gibt zum einen jenen Fotografen, der eine Ausbildung als Assistent durchlaufen und jahrelang praktische Erfahrungen gesam-
melt hat. Am Ende steht dann ein technisch versierter Fo-
tograf mit dem Blick für das Besondere und dem Wunsch nach schöpferisch-kreativer Arbeit. Daneben sind jedoch im Laufe der letzten Jahre Fotografen mit einem neuen Profil auf der Bildfläche erschienen, die aus den unterschied-
lichsten Bereichen stammen. Eben diese erheben das Bild zum Transportmedium für eine Idee, es geht ihnen nicht mehr um das Foto als solches. Bei der Endversion ihrer Bil-
der handelt es sich immer häufiger um eine Zusammen-führung verschiedener Bilder zu Einem.
Bevor man von der Zukunft spricht, sollte man zuallererst
zu verstehen versuchen, was einen Fotografen von heute ausmacht. Die Antwort hierauf ist alles andere als leicht.
ABOUT – Wer wird ihrer Ansicht nach die wegweisende Persönlichkeit der Fotografie der Zukunft?
Die steigende Qualität der digitalen Nachbearbeitungs- und Aufnahmetech- niken hat den Weg für die Entstehung einer neuen Bildgattung geebnet.
Auf diese Weise ist die traditionelle Ausbildung des Fotografen ins Wanken geraten und wird außerdem von wachsender Konkurrenz bedroht. Hinzu kommen die Auswirkungen von Globalisierung und Konjunkturschwäche, sowie die Vielzahl von Fotografen und Bildagenturen oder -datenbanken (nicht nur Getty oder Corbis, sondern zum Beispiel auch flickr), die einige
in Hinblick auf den Vormarsch der 3D/CGI mit Sorge betrachten.
„Was genau bedeutet eigentlich Urheberrecht?“
Und plötzlich steht man vor der Frage: Was genau bedeutet eigentlich Urheberrecht? Kurzum: Um sich seinen Platz zu sichern, ist der Fotograf mehr denn je gezwungen seine Ell-
bogen einzusetzen. Mitunter endet dieser Kampf in Selbstzwei-
feln oder Selbstkritik. Technische Versiertheit scheint kein Auswahlkriterium mehr darzustellen – vor allem nicht bei den jungen ADs der Agenturen, die bereits seit ihrer Kindheit mit Videospielen, Internet usw. vertraut sind. Sie besitzen nicht mehr dieselbe Fotografiekultur wie ihre Vorgänger. Was nicht heißen soll, dass eines besser oder schlechter sei, als das an-
dere. Dies ist vielmehr eine Feststellung. Ihre Stärken liegen anderswo.Angesichts der immer komplexer gewordenen Welt der Fotoerstellung mag es einer Agentur wesentlich leichter erscheinen, einen Fotografen hinzuzuziehen – jedoch nicht, weil er in der Lage ist, ein schönes Foto zu machen, sondern weil er mit der Technik der Fotomontage vertraut ist. Ich bin jedoch der Ansicht, dass die schönsten Bilder aus dem Zusam-
menwirken eben dieser beiden Eigenschaften entstehen.
Ich bin Fotografen begegnet, die auf der Suche nach sich selbst sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um jene, für die eine Fotografie gleichzeitig auch ein Kunstwerk ist. Und genau hierin liegt die Schwierigkeit ihrer schöpferisch-kreativen Ar-
beit: Sie müssen die Wünsche der ADs, CDs und Kunden bedie-
nen ohne dabei jemals ihre eigenen Vorstellungen einbringen zu können – diese finden nur in persönlichen Projekten Platz. Darin liegt die große Herausforderung der Teamarbeit. Denn das Werbefoto ist in erster Linie das Produkt von Teamarbeit. Und wer kann schon wirklich nachweisen, wer der Urheber eines zusammengestellten Fotos ist, bei dem die Idee vom AD und einige Elemente aus Bildagenturen oder 3D stammen, bei dem nachbearbeitet und retuschiert wurde, um am Ende ein einziges Bild zuerhalten...? Alles hängt also an der schöpfe-risch-kreativen Arbeit (Kameraeinstellung, Motivwahl, Bild-
komposition), die mehr oder minder dem Fotografen zukommt.
Ziel eines Fotografen ist es, hinter der Kamera zu stehen anstatt vor dem Computer zu sitzen. Und dennoch kommt er inzwischen kaum daran vor-
bei, sich für die Nachbearbeitung und allgemeine Postproduktion eines Bildes an den PC zu setzen. Der französische Schriftsteller Flaubert sagte einst zu Maupassant (einem weiteren französischen Literaten), dass die Kunst des Autors darin bestehe, dass es ihm gelänge zu beschreiben, wa-
rum das Feuer, welches man gerade betrachte, einzigartig und unverwech-
selbar sei. Die neue Generation von Fotografen läuft heute Gefahr einfach nur ein Foto zu machen und sich erst hinterher die Frage zu stellen: „Wie mache ich dieses Feuer einzigartig (mit Filtern, Kurven in Photoshop etc.)?"
„ ... das Werbefoto ist in erster Linie das Produkt von Teamarbeit.“
Aber vermutlich handelt es sich hierbei nicht um ein Problem, das nur die Fotografen betrifft. Viele Berufe erleiden gnadenlose Wandlungen, die dem ungebremsten Tempo unserer Konsumgesellschaft folgen.
Auch mein Beruf als Retuscheur hat sich durch 3D inzwischen tief greifend verändert. Und obwohl es sich nur um eine Randerscheinung handelt, muss man sich dennoch anpassen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Der künftige Fotograf muss all diese Anforderungen unter einen Hut bringen können. Er muss in 3D einen Verbündeten sehen, die geteilten Rechte akzeptieren, weiterhin aus dem, was er sieht, ein Unikat kreieren und als Verantwortlicher so arbeiten, wie er es für richtig hält. Dabei muss er mit seiner Auswahl überzeugen und zugleich in seiner Arbeit flexibel sein, um sich selbst treu zu bleiben. Ohne Frage wird er auch mehr Energie in die Aufnahmetätigkeit als in das Endergebnis investieren müssen – zumindest solange ihm am Ende nicht das Urheberrecht am Bild zuteil wird. Dabei gilt es aufzupassen, dass er kein Alter Ego heranzüchtet, das ihn auf Abwege bringen könnte.

Mit der Zeit zu gehen, bedeutet jedoch auch, sich selbst Raum zum Nachdenken und Handeln zu geben und zu begreifen, was man weshalb tut, ohne dabei je die Achtung vor sich selbst oder anderen zu verlieren. Dies schafft Selbstvertrauen und Vertrauen in das Leben als solches.
„Der künftige Fotograf ... muss in 3D einen Verbündeten sehen, ...“
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