Fotos: Lucas Gross Text: Jan Knopp

Illustration: Anna Meurer
Der 34jährige Künstler und Mitreisende Lucas Gross ist seit Jahren ein Suchender. Sein Credo: Form follows idea. Und unter diesem Motto experimentiert und forscht er unter anderem als DJ mit Musik und Klang sowie mit Material und Form unter dem Dach seines eigenen Labels in Basel.
LUCAS GROSS
Lucas Gross, der Initiant und ewig Suchende, ist nach kurzer Vorbereitungsphase in Basel bereits wieder in Australien, um den passenden Bus zu finden. In der Zwischenzeit hat die Bewerbungsfrist begonnen. Gesucht: Drei australische und drei Schweizer Jungkünstler, die das Abenteuer wagen und sich mit ihm auf diese Schicksalsgemeinschaft auf Tour einlassen wollen. Anfang Oktober soll es losgehen. In Sydney. Zuallererst gilt es jedoch mit vereinten Kräften den Bus zu einem rollenden Künstler-Mikrokosmos umzubauen. Denn von Oktober 2010 bis März 2011 wird dieses mobile Studio Atelier, Heimat, Transportmittel und Ausstellungsraum sein.
In der künstlerischen Arbeit des 34jährigen Baslers Gross geht es um den Mut, sich dem Leben zu stellen und es immer wieder neu zu definieren. Und „a mobile studio in Australia“ erzählt genau diese Geschichte. Eine Haltung, die uns, diesem Magazin selbst, eigen ist. Wir freuen uns sehr, dass wir als Partner und Unterstützer an diesem Experiment teilhaben, um von nun an regelmäßig über das Mobile Studio zu berichten. Wir trafen den Künstler in Basel zu einem Gespräch über seine Haltung zum Leben, über die Kunst und die Entstehung der Idee des Mobile Studios.
Für den 34jährigen Künstler ist und bleibt das Aufregendste, neben der sich zwangsläufig bildenden Gemeinschaft, dass alle ähnlichen Eindrücken ausgesetzt sein werden, um diese in ihrer künstlerischen Art unterschiedlich zu verarbeiten. Getreu nach Oscar Wilde: „Ein großer Künstler sieht die Dinge niemals so, wie sie sind. Wenn er sie so sähe, wäre er kein Künstler mehr.“ Das Ergebnis soll im Rahmen einer gemeinschaftlich konzipierten Ausstellung im März 2011 in Sydney und dann im Mai in Basel zu sehen sein. Und natürlich hier, bei uns, im Magazin. Es wird spannend, denn der Ausgang ist offen.
A — Was treibt dich eigentlich an?!
LG — Scheint einfach zu beantworten zu sein – ist aber in der Tat eine schwierige Frage. Ich kenne eben auch die andere Seite, wenn der Antrieb fehlt. Na oder besser gesagt, durch zuviel Antrieb alles blockiert ist.
ABOUT — Hallo Lucas! Schön, dass wir dich noch vor deinem Abflug nach Australien erwischt haben. Schon aufgeregt?
LUCAS GROSS — Mir bleibt kaum Zeit dazu. Ich habe gerade noch schnell einen Ausstellungsraum in Basel für Mai 2011 reserviert. Als wäre nichts dabei!
A — Was ist deine Mission?Wie bist du überhaupt auf die Idee für das Projekt gekommen?
LG — Ich bin irgendwie - ohne wirkliche Reiseabsicht - letztes Jahr mit Bekannten in Australien gelandet. Am Ende bin ich wesentlich länger geblieben, als meine Bekannten. Ich war alleine in einem Kombi unterwegs und hatte nur meine Digitalkamera dabei. Ich war einfach ich. Die Ideen sind oft an den Tischen der National Parks entstanden. Und ich hatte einfach viel Zeit, meine eigenen Ideen während der Reise kompromisslos zu verarbeiten. Denn es ist erstaunlich, aber relativ schnell beginnt sich die Zeit, die sonst so schnell vergeht, wieder auszudehnen.  
A — Was ist deine Mission?Was gibst du auf für das Projekt?
LG — Meine vier Wände als Rückzuggebiet. Mein soziales Netzwerk. Mitunter auch die Sicherheit, dass ich hier in der Schweiz in der Nähe meines alt gewordenen Vaters bin – falls er sterben würde. Überhaupt gebe ich die alltägliche Sicherheit auf. Damit ist die Schweiz randvoll gefüllt. Diesen Hafen muss ich verlassen, um mein Mobile-Studio-Experiment ausleben zu können.
A — Wird das jetzt so eine Art Selbsterfahrungstrip?
LG — Nein, bestimmt nicht. Ich für mich möchte die Hypothese überprüfen, ob die Umstände – also die Fremden und die Fremde – förderlich für den Kreationsprozess sind. Die Schweiz scheint mir etwas zu eng und uninspirierend gegenüber der weiten Welt.
LG — Es ist zum einen die unglaubliche Dimension und Weite dieses Landes. Und die australische Mentalität ist ein Segen. Die Menschen sind offen und direkt, ohne die ihnen unterstellte Oberflächlichkeit. Dies, ihr Faible für das Reisen und die Recycling-Kultur, sind eine Grundlage für die Akzeptanz für ein tourendes, unkonventionelles Bus-Projekt mit Künstlern und ihren abgedrehten Ideen.
A — Und die Schweiz? Wie kommt die nun ins Spiel?
LG — Wer kennt in der Schweiz schon Kunst aus Australien? Ich bringe der Schweiz gerne etwas Australien mit nach Hause. Ich bin sicher, dass sich mittels der Ausstellung in der Schweiz am Ende des Projekts ein viel authentischeres Bild über Australien vermitteln lässt.
A — Aber warum Australien? Wie du selber sagst, die Welt ist weit und groß?
LG — Ich bin auf finanzielle Unterstützung angewiesen, klar. Ohne Fördergelder könnte ich ein solches Projekt nicht realisieren. Gerne gebe ich aber Zeit für die Organisation und zum Beispiel meine privaten Geräte daran, so dass sich die fremden Gelder mit dem eigenen Aufwand die Waage halten. Auch die Künstler beteiligen sich finanziell an ihrem Flug nach Australien und trotz beantragter Gelder entsteht keine Luxus-Situation, bei der alles auf Kosten der Geldgeber geht. Da die Finanzierung erst anläuft, kann ich noch nichts über die bevorstehende Entscheidung der Kommissionen sagen. Heutzutage auf Mäzene zu warten ist etwas illusionär, falls sich aber jemand durch diesen Artikel inspiriert fühlt, freue ich mich natürlich sehr über die Kontaktaufnahme.
A — Wie bezahlst du das eigentlich alles?
A — Wer wählt die Künstler aus? Du?
LG — Nein, um Gotteswillen. Ich bin ja einer von ihnen. Die Auswahl der Künstler trifft eine Jury. Die Jury ist besetzt aus national renommierten Kunsthistorikern. Die Künstlergruppe entsteht aufgrund der im Projekt gesetzten Kriterien.
A — Wann hören wir wieder von dir?
LG — Ich melde mich während meiner Vorbereitungszeit in Australien. Jetzt fahre ich erst einmal los und besorge den Bus, knüpfe Kontakte zu Kreativen, spreche mit Galeristen und bereite das tatsächliche Projekt vor. Ihr hört von mir, ganz sicher!
Projektdaten im Überblick:
Aktives Projekt: Oktober 2010 – März 2011
1) Umbau Reisebus (stationär): Oktober – Mitte November 2010
2) Recherche / Produktion (auf der Reise): Mitte November 2010 – Mitte Februar 2011
3) Ausstellung Australien: Mitte Februar – März 2011

Ausschreibung Künstler: Januar 2010 – März 2010
Letzter Eingabetermin Künstler: 31. März 2010 (Mailserver Timestamp / Poststempel)
Alle Infos und Bewerbungsmöglichkeiten
für das Projekt findet ihr unter:
Mehr Infos zu Lucas Gross:
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